Teil 3 von 4 zu

Reformation 2017 

 

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SOLA GRATIA – ALLEIN DIE GNADE

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Ein Blogbeitrag von Sabrina

Bible Art Journaling Kreativteam Mitglied 2017

„Gnade ist die kleine Schwester der Liebe“

… so schreibt es die bekannte Theologin Christina Brudereck in einem ihrer Gedichte.

Was mich zuerst stutzig machte, bekommt nach längerer Nachdenkzeit immer mehr Zustimmung meinerseits. Gnade. Ein ur-christliches Wort. Jeder kennt es. Jeder weiß, was es bedeutet. Denkt man zumindest immer. Dachte ich zumindest immer.

Als ich diesen Sommer BAJ-Treffen zum Thema Reformation veranstaltet, und auch das Thema „Gnade“ behandelte, wurde mir bewusst wie unterschiedlich und doch ähnlich man dieses Wort verstehen kann. Wir journalten zum dem Text

Römer 3,23+24

„Alle sind schuldig geworden und spiegeln nicht mehr die Herrlichkeit wider, die Gott dem Menschen ursprünglich verliehen hatte.  Aber was sich keiner verdienen kann, schenkt Gott in seiner Güte: Er nimmt uns an, weil Jesus Christus uns erlöst hat.“

 

Der Sage nach ist das der Vers, den Luther einst entdeckte und der sein Leben komplett auf den Kopf stellte. Dazu hört ihr in ein paar Wochen noch mehr von Nicole.

An unseren Treffen liebe ich am meisten die Reflexionsrunden am Ende. Da darf jeder erzählen, was er gejournalt hat und warum er welche Farben, welchen Stil und welche Akzente gesetzt hat. An diesem Tag fiel mir auf, dass es wirklich unterschiedliche Empfindungen bei dem Thema gibt. Jede Besucherin ordnete der Gnade zum Beispiel eine andere Farbe zu:

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zartes Rosa, weil Gnade etwas Liebliches, warmes und leichtes hat
dunkle Erdtöne, weil Gnade so kräftig und machtvoll ist
verschiedenes Blau, weil Gnade etwa ist in das man eintauchen kann

Ich war wirklich beeindruckt! Was sich durch alle Beschreibungen zog war, dass es ein Geschenk Gottes ist (lag wahrscheinlich an der Bibelstelle… und weil´s stimmt☺).

Jasmin, die bei fast keinem unserer Treffen fehlt, schreib dazu:
Gnade ist für mich braun. Ganz eindeutig! Braun und weich.  Gottes Gnade für uns durch Jesus Christus ist die Grundlage unseres Glaubens. Wir können sie uns nicht erarbeiten, nicht verdienen oder erkaufen. Durch Gnade sind wir frei von aller Schuld. Was ist das eigentlich ganz genau, Schuld? Wie unglaublich Gott ist, dass er mir nichts nachträgt, obwohl ich manchmal schon Kleinigkeiten nachtrage. Gnade. Der Kern, von dem alles kommt in meinem Glauben und auf den alles zuläuft. Gnade ist das, was ich mir oft mehr wünschen würde in meinem Alltag. Dass ich Gottes Gnade annehmen und leben kann, immer mehr, und sie als Realität erfahre. Dass ich gnädiger sein kann mit mir selbst in so vielen Punkten. Und dass ich diese Gnade auch anderen gegenüber aussprechen, empfinden, walten lassen kann, wo es nötig ist. Gnade lastet nicht schwer auf meinen Schultern. Gnade ist federleicht. Sie nimmt uns Schuld ab, befreit unseren Unfrieden, führt uns in einem Tanz immer mehr dorthin, wo Gottes Herz schlägt. Gnade ist braun – sie ist geborgen. Und sie ist golden, denn sie zeigt uns etwas von dem, was sein könnte, wenn wir in Frieden leben würden.

All diese – und noch mehr – Gedanken begleiteten mich bei der Gestaltung der Römerpassage zum Thema „Gnade“. Es war spannend, nicht, wie sonst üblich, über einer Textstelle kreativ zu werden, bei der jedem selbst überlassen ist, welches Thema er für sich herausarbeitet, sondern von einem gemeinsamen übergeordneten Begriff auszugehen. So gestalteten wir an drei Abenden und einem Samstag Gnade, Glaube, Bibel und Jesus und füllten unser inneres Auge mit Journalingseiten zu den 4 Soli Martin Luthers. (siehe auch Blogartikel zum Thema „Bibel“)

Erkenntnisse dieser Journalingreihe:
Jeder bearbeitet zu jedem Thema ganz unterschiedliche Aspekte und zusammen ergeben unsere Seiten ein erstaunlich umfassendes Bild zum jeweiligen Begriff
Es lohnt sich, auch mal von Begriffen her auszugehen
Manche Begriffe sind für mich ganz lebendig, vor anderen saß ich fast ein bisschen ratlos (und fragte mich zB, wie jetzt eigentlich mein Verhältnis zur Bibel überhaupt ist) – warum ist das so?
Die gestalteten Seiten helfen mir dabei, die notierten Gebete oder Glaubensschritte zu verinnerlichen und Stück für Stück umzusetzen (Sei gnädig mit dir selbst; Sei gnädig mit deinen Kindern; Nimm Gottes Gnade an!)
Gnade ist braun! Für euch nicht? Dann gestaltet euch doch mal eure eigene Seite zu Römer 3.

Ich liebe es, wenn ich aus unseren Treffen gesegnet raus gehe, weil man einfach spürt, wie Gott zu jmd gesprochen hat, jmd etwas neu verstanden hat oder einfach etwas verfestigt wurde…☺
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Bei meiner Seite entschied ich mich für ein zartes Rosa, in Kombination mit Türkis. Scheinbar zwei Lieblingsfarben von mir, wenn man durch meine JournalingBibel blättert. Angeraut hab ich den Hintergrund dann noch mit Hilfe eines schwarzen Stempelkissens. So bekommt die Seite den etwas verbrauchten, gealterten Look den ich sehr mag.

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Am längsten habe ich überlegt, ob ich das Sündenthema auf meiner Seite aufgreifen will. Ein Wort, das im normalen Alltagsgebrauch ja nicht wirklich vorkommt. Bei mir zumindest nicht. Aber ich entschied mich dann doch dafür, es als „Ausgangspunkt“ für meine Seite zu platzieren. Denn ohne Sünde, ohne die Trennung von Gott, ohne meine Verfehlungen und mein Versagen, kann ich das Geschenk der Gnade weniger begreifen. Nicht, das ich das Thema voll durchdrungen und für immer verstanden hätte…

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Für mach war klar, dass ich Gott und Gnade im Zentrum meiner Seite haben wollte. Sie sind die Eye-catcher darauf. Denn sie sind es ja, worum es bei dem Thema überhaupt geht.
GOTT – er schenkt und Gnade – aus Liebe zu uns.
Gnade – sie ist es, die uns gerecht vor Gott da stehen lässt. 
Also eigentlich zwei Wörter, die untrennbar miteinander verbunden sind!
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Geschmückt hab ich die Seite dann noch mit Symbolen, die für mich Leichtigkeit und Freiheit symbolisieren. Was eignet sich da besser als Federn und kleine Vögelchen?!
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Da ich Jesu Rolle bei dem Ganzen geschehen noch auf der Seite sehen wollte, platzierte ich einen kleinen Kreis, der das betont. Jesus ist derjenige, der durch seinen Tod am Kreuz der Gnade ein Gesicht und eine Gestalt gegeben hat. Gott ist durch seinen Sohn so gnädig zu uns! Unfassbar. Immer wieder ein Grund zum Staunen. Und das völlig unverdient. Ohne, dass wir etwas dazu tun können.
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UNVERDIENT. Dieses Wort beschäftigt mich jetzt schon eine ganze Weile. 
Vielleicht kennt ihr dieses Gefühl auch, euch bei Gott etwas verdienen zu wollen. Es ist nicht so, dass ich morgens zu Hause sitze und mir überlege „Heute verdiene ich mir ein paar Extrapunkte bei Gott!“. Im Gegenteil. Mir ist bewusst, dass das nicht geht. Im Kopf. Aber dann gibt es die anderen Momente, in denen ich das Gefühl habe, nicht zu genügen. Zu allererst mal meinem Anspruch und dann auch noch dem Anspruch Gottes. Da tauchen dann Gedanken auf wie: ich könnte noch mehr beten, 30 Minuten Bibel am Tag müssen einfach möglich sein, ich könnte hier noch etwas Gutes tun, mehr spenden, da habe ich nicht geduldig genug reagiert…
Grade die Auseinandersetzung mit den Reformationsgedanken, die ja nun schon 500 Jahre alt sind, hat mich an etwas erinnert. UNVERDIENT. Gott ist niemand, der einfach ein Auge zudrückt und an all den Schwächen nichts mehr auszusetzen hat, die ich so mit mir rumschleppe. Aber er ist GOTT.
Eingerückt mit so einem Strich vorne dran☺
Er läd mich ein, in seiner Gegenwart aufzutanken – nicht als Pflichtübung. 
Gott überfordert mich auch nicht dabei, Dinge anzugehen die nicht zu seinem Charakter passen. 
Er ist geduldig und läd mich ein. Er geht mit mir kleine Schritte. 
Kleine Schritte in denen ich nach und nach das Geschenk der Gnade immer ein Stückchen weiter auspacken darf. In denen ich immer besser verstehen darf, wie unendlich groß seine Liebe zu mir und allen anderen Menschen ist. 
Er läd mich ein, einfach so Zeit mit ihm zu verbringen, ohne am Ende auf das Ergebnis zu schauen.
Auch beim Journalen☺ Ich glaube, die Sehnsucht nach IHM wurde uns von Gott ins Herz gelegt. Und wir dürfen DURCH und MIT seiner GNADE immer ein Stückchen mehr die Personen werden, die er schon jetzt in uns sieht. Gerecht gesprochen sind wir durch Jesus, lasst uns gemeinsam als Christinnen und Christen in diesem Bewusstsein leben. Gnade ist unverdient, wunderschön und die „Kleine Schwester der Liebe“.
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Was denkt ihr zu dem Thema? Wie geht ihr mit Gnade um? Ich freu mich über Gedanken zu dem Thema in den Kommentaren!

Herzlichst, eure Sabrina

 

Fotogalerie von Rebecca zu Römer 3,23+24

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Fotogalerie von Tabea zu Ephemer 2,5

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