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Was feiern wir am 31.10.? Klar, Reformation. Und dieses Jahr sogar zum 500. Mal. Wie war das denn damals mit Martin Luther und dem Anschlag der 95 Thesen? Machen wir doch eine kleine Zeitreise – keine Angst, ich werfe euch jetzt nicht unzählige Jahreszahlen vor die Füsse (ich verspreche, es werden nicht mehr als fünf).

Wer war also dieser Martin Luther – und was hat ihn (an)getrieben?

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Die grosse Frage

„Wie bekomme ich einen gnädigen Gott? Wie werde ich gerecht vor Gott?“

Diese Frage trieb und quälte Martin Luther. Aber warum? Liegt die Antwort denn nicht klar auf der Hand?

Allein aus der Gnade Gottes. Allein durch den Glauben. Allein durch Christus. Allein durch die Schrift. (Die vier Solas.)

So einfach und klar sich das für uns heute anhört, war dies für Martin Luther aber nicht. Er musste sich diese Erkenntnis erst erringen und dafür kämpfen, dass seine Stimme dann auch erhört wurde
Geboren am 10.11.1483 in Eisleben ging er zuerst in die Lateinschule und später in die Pfarrschule. Danach begann er zu studieren, aus ihm sollte einmal auf Wunsch seiner Eltern ein Rechtsgelehrter werden.

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Schon in diesen Jahren quälte ihn die Frage nach dem gnädigen Gott. „Wie kann ich sündhafter Mensch vor dem gerechten Gott bestehen?“ Eine gute Frage, die sich nicht nur Luther stellte. Aber wo die Antwort finden? Die Messen wurden auf Latein abgehalten, die Bibel gab es ebenfalls nur auf Latein und war sowieso nur einem exklusiven Kreis zugänglich (v.a. der Kirche). Und so lebten die Menschen, auch Luther, in ständiger Angst vor dem göttlichen Richter und der Hölle. Wer genug Geld besass, versuchte, sich von seiner Schuld frei zu kaufen (durch Ablassbriefe der Kirche), aber wer sagte einem, wann man genug bezahlt hatte?

Die Antwort: Die vier Solas

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1505 hatte Luther dann ein einschneidendes Erlebnis (Der Legende nach, schwor er während eines Gewitters, wenn Gott ihn verschone, würde er Mönch werden.), das ihn dazu bewog, ins Kloster einzutreten. Er studierte Theologie und wurde sogar Professor in Wittenberg. Doch trotz seines ganzen Strebens und Wissens rang er immer noch um die gleiche Frage nach dem gerechten Gott und wie man vor ihm bestehen konnte. Er suchte die Antwort in der Bibel und studierte v.a. den Römerbrief.

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Eines Tages traf ihn die Erkenntnis: Römer 1,17 sagt: „Darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben; wie denn geschrieben steht: Der Gerechte wird aus Glauben leben.“ In den Evangelien steht, dass Gott uns Menschen die Gerechtigkeit offenbart hat. Jesus Christus ist für meine Sünden am Kreuz gestorben. Gott will mich nicht bestrafen, er will mich beschenken, mit seiner Gnade und Vergebung. Gott will mir seine Gerechtigkeit schenken, die aus Glauben an Jesus Christus kommt – und nicht aus Werken.

Diese Erkenntnis – allgemein unter dem „Turmerlebnis“ bekannt- traf Martin Luther bis ins Innerste.
Und hier sind sie, die vier solis: Glaube, Gnade, Christus und Schrift.

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Das konnte Martin Luther natürlich nicht für sich behalten, und so schlug er am 31.10. 1517 seine Erkenntnisse in Form von 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg, dem damaligen schwarzen Brett der Stadt. Dabei hatte er keineswegs die Spaltung der Kirche im Sinn, sondern wollte sie nichts anderes als – erneuern, eben reformieren.

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Gegenwind

Diese News machten schnell die Runde, und während seine Thesen bei vielen auf Begeisterung stiessen, hielt sich auf offizieller Seite – sprich in den höheren Rängen der katholischen Kirche – der Jubel in Grenzen.
Luther sollte seine Schriften vor dem Kaiser widerrufen, doch er blieb standhaft. So wurde er für vogelfrei erklärt, das heisst aller seiner Rechte beraubt und durfte ungestraft gejagt, gefangen und getötet werden. Doch er hatte auch Freunde, und das nicht wenige – auch unter den Fürsten. Kurfürst Friedrich der Weise tat seinem Namen alle Ehre und liess Luther zum Schein „entführen“. Dann versteckte er ihn für fast ein Jahr auf der Wartburg.

Die Bibel für alle

Martin Luther nutzte diese Zeit in Eisenach und widmete sich dem „sola scriptura“ – allein durch die Schrift. Alle Deutschen sollten die Möglichkeit haben, die Bibel zu lesen und Antworten auf ihre Fragen zu finden, und so übersetzte er in elf Wochen das Neue Testament ins Deutsche. Später sollte dann noch das Alte Testament folgen. 1534 erschien die Gesamtausgabe der Bibel auf Deutsch.

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Soli Deo Gloria

Später kehrte Martin Luther wieder nach Wittenberg zurück. Zwar hatte er ursprünglich keine Spaltung der Kirche im Sinn, doch nun liess der Prozess sich nicht mehr rückgängig machen.
Schliesslich starb Luther 1546 in seiner Heimatstadt Eisleben. Er war sicher ein Mann mit Ecken und Kanten, und nicht alle seine Ansichten sind für uns heute nachvollziehbar, aber er hat sein Leben nach dem Motto gelebt „soli Deo gloria“ – allein Gott die Ehre. Und so hat er in seinem Leben noch zu einem fünften Solus gefunden.
Auf dem Sterbebett betete er: „Du hast mich erlöst, Herr, du treuer Gott.“ Er hat eine Antwort auf seine Fragen gefunden.

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Reformation reloaded (oder Reformation heute)

So, und nun wissen wir, was die protestantischen Christen am Reformationstag feiern. Und jetzt? Was bringt es uns heute? Und was ist mit den katholischen Christen? Ist dieser Tag für sie irrelevant?

Viele von uns hatten vielleicht auch so eine Art „Turmerlebnis“, einen AHA-Moment, andere haben Erneuerung auf andere Art erfahren, als Prozess. Wichtig ist, diese Erneuerung zu erleben. Das hat Luther verstanden. Und auch nach der persönlichen Reformation braucht es immer wieder Momente, in denen wir einen Moment stehen bleiben und darüber nachdenken, ob es nicht Dinge gibt, die in meinem Leben mal wieder „erneuert“ werden könnten. Mein Gebetsleben? Mein Einsatz in der Gemeinde? Meine Leidenschaft für Jesus? Die protestantische Kirche hatte das auch übrigens immer wieder mal nötig, wie die Geschichte zeigt, und auch innerhalb der katholischen Kirche gab und gibt es immer wieder Zeiten der Erneuerung. Schlussendlich ist der Reformationstag vielleicht (k)ein konfessioneller Feiertag, aber auch ….einer, der vielleicht in irgendeiner Form jeden Christen betrifft – nur auf unterschiedliche Weise?

Also, lass dich herausfordern vom diesjährigen Reformationstag, sei es der 500. oder dein ganz persönlicher 1. „Reformationstag“.

Deine Nicole (Kreativteammitglied 2017)

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Zu
SOLA DEO GLORIA – ALLE EHRE GEHÖRT GOTT ALLEIN

kreativ gestaltete Bibelseiten vom Kreativteam 2017

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